Der Pferde-Zirkel
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Das Trakehner Pferd
     Legende im Zeichen der Elchschaufel


 

Trakehner sind eine mythenbehaftete und bedeutende Pferderasse. Sie zählen in Deutschland zur ältesten Reitpferderasse in Reinzucht und verfügen über eine geradezu legendäre Geschichte. Die Trakehner Zucht lässt sich genetisch lückenlos auf die Gründung des Hauptgestüts Trakehnen im Jahre 1732 durch königlich preußische Anordnung zurückführen.


Im ursprünglichen Sinne bildet das sogenannte Schweike Pferd  - ein naher Verwandter des ost- europäischen, ausgestorbenen Tarpans -  die Basis der Trakehnerzucht.

 Der Name Schweike soll so viel bedeuten wie „wider-standsfähig und robust“, was durchaus auch heute zu

den Eigenschaften des modernen Trakehner Pferdes zählt. Schweike Pferde wurden bereits von Ordensrittern in der

Zeit der Kreuzzüge als Lastentier geschätzt und ab dem

14. Jahrhundert vom Deutschen Ritterorden in Reinform gezüchtet.

Das Trakehner Pferd sollte jedoch vor allem als edles

und ausdauerndes Militär- und Reitpferd gezüchtet werden, wobei man einheimische bodenständige Schweike-Pferde mit Vollblütern kreuzte. Im Ergebnis entstanden dadurch Halbblüter mit 25 % einheimischem, 25 % arabischem und 50 % englischem Vollblut. Die Trakehner Pferde sollten kräftig gebaute Gliedmaßen haben mit wohlgeformtem Kopf, schön angesetztem Hals, geradrückigem Körper, länglichrunder Kruppe und mittelbreiter Brust. Sie sollten ausdauernd, schnell und widerstandsfähig sein, gelehrig, folgsam und geduldig. Diese ostpreußische Halbblutzucht ergab u.a. viele hervorragende Rennpferde, die mit den Vollblütern erfolgreich konkurrieren konnten.  -  Für solch edle Pferde, die im Hauptgestüt Trakehnen geboren waren, führte der Oberstallmeister Graf Lindenau 1787 die siebenzackige Elchschaufel als Brandzeichen auf dem rechten Hinterschenkel ein.

 

Dieses Brandzeichen wurde 1922 um die doppelte Elchschaufel ergänzt für Pferde aus der ländlicher Zucht, die mütterlicherseits mindestens 4 Generationen Trakehner Abstammung nachweisen konnten. Burchard von Oettingen (Gestütsleiter von 1895 – 1911) und sein Nachfolger Graf von Sponeck (1911 – 1922) setzten in Trakehnen stark auf den Vollbluteinsatz. Über lange Jahre auch noch nach 1945 galt der Trakehner als „deutscher Angloaraber“, er zählte zu den Spezialrassen und galt bis zum 2. Weltkrieg als Inbegriff eines Pferdes, das beim Militär und im Spitzensport Höchstleistungen erbrachte. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin gingen demnach sechs Gold- und eine Silbermedaille auf das Konto erfolgreicher Warmblutpferde Trakehner Abstammung.



Neun Jahre später – ab dem 17. Oktober 1944 - lag die Zucht am Boden:

Ostpreußen war im Krieg zerstört, auf einem mörderischen Treck gen Westen waren die Verluste von Mensch und Tier unermesslich. Vor dem Krieg waren 25.000 Mutterstuten und 1.200 gekörte Hengste als Trakehner registriert. Gerade 1.500 Pferde erreichten den Westen, aus dem Hauptgestüt Trakehnen konnten nur 27 Stuten gerettet werden. Und diese Pferde waren in ganz Deutschland verteilt. Diese zusammen zu bringen, die Zucht auferstehen zu lassen, das hatten sich einige Idealisten zum Ziel gesetzt.

 

Für sie stand fest: Die Erhaltung des Warmblutpferdes Trakehner Abstammung musste Fortbestand haben. 

 

Die verbliebenen Pferde wurden auf größeren Zuchtstätten zusammengezogen, um einen geregelten Neubeginn der Trakehner Zucht zu gewährleisten. So entstanden vier Trakehner-Hauptgestüte: - das Ostpreußengestüt Hunnesrück in Niedersachsen,  - das Trakehner Gestüt Rantzau in Schleswig-Holstein,  - das Trakehner Gestüt Schmoel-Panker der Hessischen Hausstiftung in Schleswig-Holstein und das Trakehner Verbandsgestüt Birkhausen in der Pfalz.  



Wie kein Zweiter hat Dr. Fritz Schilke, in Königsberg Geschäftsführer der ostpreußischen Stutbuchgesellschaft, zusammen mit dem Vorsitzenden der Organisation, Siegfried Freiherr v. Schroetter, nach dem Krieg dafür gesorgt, dass die Zuchtorganisation Fortbestand hatte. Zuchtpferde waren in den genannten Landgestüten aufgenommen worden und die Mehrzahl der Stuten kam weiterhin in der Landwirtschaft sowie in der ländlichen Zucht im Einsatz.


Trakehner heute – Zucht und Sport in der Gegenwart

Heute ist die Zucht des Trakehner Pferdes in privater Hand und inzwischen auch

eine Bundeszucht, die sich in zehn verschiedene Zuchtgebiete unterteilt und sogenannten Landesvertretern untersteht.  -  Sitz des Verbandes der Züchter

des Warmblutpferdes Trakehner Abstammung e.V. (kurz Trakehner Verband),

der am 23. Oktober 1947 in Hamburg gegründet wurde und die Nachfolge der Ostpreußischen Stutbuchgesellschaft antrat, ist im Schleswig-Holsteinischen Neumünster, wo auch alljährlich seit 1963 am letzten Oktoberwochenende die Hauptkörung der Hengste stattfindet.

Auf Grund seiner frühen Ausrichtung für Ausdauer- (Militär) und später

Sportzwecke, hat der Trakehner den Landespferdezuchten in den letzten

Jahrzehnten wichtige Impulse geben können. Als echte Alternative und sinnvolle Ergänzung zum Vollblut halfen Trakehner Hengste Reitpferdepoints in den Warmblutzuchten zu verankern.

 

 


In Hannover war es Abglanz, der über die Abhang-Brüder, den Sportpferdemacher Archimedes, vor allem aber über seinen Sohn Absatz den Pferden ein nie da gewesenes Flair vererbte. Über Akzent II/Alabaster und Argentan/Argentinus ist diese Linie heute nach wie vor aktuell. - Lateran machte sich in den 60er Jahren in Hannover und Westfalen einen hervorragenden Namen. Auch die Ende der 90er Jahre wiederbelebte hannoversche S-Linie, mit Springcrack Staccato als Aushängeschild, basiert über Sender auf dem Trakehner Dampfroß-Sohn Semper idem.  Das Blut des Kostolany sorgte über Gribaldi und dessen gekörten Sohn Hofrat mit Hotline in der Hannoveraner Zucht ebenfalls für Furore

Auch heute wird der Trakehner innerhalb seines Verbandes reinblütig gezüchtet, was bedeutet, dass nur Trakehner Pferde nachweislicher Trakehner Abstammung und zur Veredelung Englische und Arabische Vollblutpferde, sowie Angloaraber und Shagya Araber zur Zucht von Trakehner Pferden eingesetzt werden dürfen. - Zuchtziel ist ein gesundes, im Trakehner Typ stehendes, großrahmiges und korrektes, in seinen Formen harmonisches, dabei rittiges und vielseitig veranlagtes Reit- und Sportpferd mit gutem Interieur, schwungvollen und im gesunden Maße raumgreifende elastischen Bewegungen. Guter Charakter, ausgeglichenes Temperament, Intelligenz, Leistungsbereitschaft, sowie Ausdauer und Härte in der Leistung sollen besonders hervorstechende Eigenschaften der inneren Veranlagung sein.

 

Der Trakehner Förderverein und TSF
Bindeglied zwischen Zucht und Sport


Auf züchterischer Ebene wurde 1947 der Trakehner Verband aus der Taufe

gehoben. Doch die Tradition, das Wissen um Ostpreußen, seine Pferde und die Menschen sollte auch auf andere Weise einer breiten Öffentlichkeit vermittelt

werden. Der Trakehner Förderverein wurde geboren. Pragmatische Hilfe war

ebenfalls gefragt: Züchter des Trakehner Pferdes mit wertvollem Zuchtmaterial erhielten auf begründeten Antrag hin Beihilfen. Ausstellungen und Schauen

wurden unterstützt.

In den 70er Jahren machte der gekörte Hengst Habicht  (v. Burnus AA, a.d.

Hallo v. Goldregen) unter dem Reiter Martin Plewa als international hoch-

erfolgreiches Vielseitigkeitspferd von sich Reden. Er gilt als Prototyp eines Zuchthengstes, der durch das Management des Trakehner Fördervereins

parallel zum Deckeinsatz eine steile internationale Sportkarriere einschlagen konnte. 

 

Hieran knüpfte die Initiatie TSF (Trakehner Sportpferde Förderung). TSF versteht

sich als Bindeglied zwischen Zucht und Sport. Sie fördert talentierte Trakehner Nachwuchspferde und bereits hocherfolgreiche Leistungspferde über Lehrgänge

und gezielte Trainingseinheiten bei namhaften Trainern. -  Die Förderung von Junioren

und Jungen Reitern auf Trakehner Sportpferden ist ein besonderes Anliegen, um hierüber die sportliche Bindung an das Trakehner Pferd zu fördern und eine Ausbildung der Nachwuchsreiterinnen und Nachwuchsreiter auf hohem Niveau zu unterstützen.

Die Sicherung von Trakehner Kulturgütern ist ein weiteres Anliegen des Fördervereins. Der Trakehner Förderverein unterstützt die Erschließung und Sicherung von Trakehner Originaldokumenten und Kunstwerken mit historischer Bedeutung wie Skulpturen und Gemälde mit Trakehner Motiven, Originaldokumente aus dem Hauptgestüt Trakehner und namhafter ostpreußischer Privatgestüte wie auch zuchthistorische Trakehner Buchprojekte.


 


Info/Quelle: Trakehner Verband / Trakehner Förderverein                                                                         

Fotos: Gestuet Hämelschenburg