Der Pferde-Zirkel
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Eigentlich wollte ich zum Thema Fütterung keine allgemeinen Beiträge mehr veröffentlichen. Irgendwie ist doch schon alles gesagt, geschrieben, gehört und gelesen. Doch dann war ich in einigen Pensionsställen zu Besuch und habe das Arsenal an Pülverchen, Tropfen, Pellets und Futterkisten gesehen. Auf Nachfrage bekam ich dann Antworten:    ...    „mein Pferd ist schon alt und braucht zusätzlich Vitamin ABC“;  oder ...   „mein Pferd ist so schwerfuttrig, da braucht es einen extra Kalorienmix“; oder ... „mein Pferd ist so anfällig für Gelenkprobleme, Erkältungen, Rückenbeschwerden, etc., da geben wir ihm noch etwas besonders Gutes“.  



Wir wollen alle nur das Allerbeste für unsere Pferde und versuchen dabei häufig ernährungsbedingte Wohlstandskrankheiten durch therapeutische Fütterung zu regulieren -  (ich zähle mich leider auch dazu und werde keinen Zeigefinger erheben) -

Vor lauter Fürsorge vergessen wir schnell, dass die  Verwertung von Nahrung auch bei unserem modernen Hauspferd immer noch der Physiologie eines genügsamen Steppentieres entspricht. Der Organismus ist auf einen sogenannten Erhaltungsmodus ausgerichtet, welcher jedoch die Vitalität eines Fluchttieres und somit kurzfristig Energie für Höchstleistungen bereitstellen muss. - Während der Magen eines ausgewachsenen Großpferdes maximal ein Fassungsvermögen von ca. 15 - 18 l aufweist,  beträgt die Länge des sich anschließenden Dünndarms ca. 20 m, mit einem Volumen von ca. 60 l. Der Dickdarm schließt sich mit ca. 8 m Länge und einem Fassungsvermögen von über 100 l an.

 

Auf den Punkt gebracht bedeutet dies, dass der Verdauungstrakt des Pflanzenfressers  Pferd sehr speziell ist und permanent auf kleine Mengen energiearmer (wenig Eiweiß und Stärke), jedoch raufaserreicher Grundnahrung angewiesen ist. 


Ein Zuwenig an Raufuttermenge gepaart mit einem Zuviel an Energiefutter bedeuten unweigerlich eine Disbalance bei der Verwertung von Nährstoffen, die mittel- bis langfristig zu krankhaften Veränderungen bei der Verdauung führen.


Auch das Vorlegen von minderwertigem Raufutter (Heu wie Stroh) birgt über kurz oder lang die Gefahr von Erkrankungen, welche durch Ergänzungsfutter nicht minimiert oder ausgeglichen werden.

Gerade in Bezug auf die Fütterung sollte jeder Pferdehalter die Grundbedürfnisse der Ernährung, die Möglichkeiten einer gezielten Futteraufwertung sowie die Risiken einer synthetischen rundum Versorgung        

                                                                            kennen. Von daher gibt es nun doch noch etwas zum Thema: Allgemeine Pferdefütterung:


Erfahrung oder Wissenschaft

Die Fütterung der Pferde basierte bis in die 70iger Jahre ausschließlich auf Erfahrungswerten. Ernährungswissenschaftliche Begründungen lagen nicht vor.

Als Basis der Pferdefütterung bestand die Pferdeernährung nach Überlieferungen hauptsächlich aus den sogenannten drei H´s: Heu, Häcksel und Hafer.

Ganzer Hafer gilt seit jeher als eine der wichtigsten Getreidefuttersorten. Gequetscht diente er in erster Linie nur Pferden, die schwerfuttrig waren. Gerste wurde weniger gerne gesehen, da es Pferde zum starken schwitzen brachte und schwer verdaulich wirkte. Roggen und Weizen spielten in der Fütterung eine untergeordnete Rolle. Es galt eher als Mast- und Hochleistungsfutter und wurde im gekochten Zustand verfüttert. Mais wurde ebenfalls als Kraftfutter verwendet, wenn auch nur in kleinen Mengen. Es diente als Ergänzung und wurde geschrotet verfüttert. Regional unterschiedlich und entsprechend der Anforderungen an das Pferd wurden zur Leistungssteigerung zusätzliche Energielieferanten, wie Weizenkleie, Treber oder Luzerne verfüttert.

Im historischen Kalender des Landgestüts Zweibrücken 2001 vom BKP-Verlag ist zu lesen, dass erst kurz vor dem 1. Weltkrieg erkannt wurde, dass durch eine bedarfsorientierte Fütterung in der Aufzucht und der Haltung Verbesserungen in Größe und im Auftritt der Pferde stattgefunden haben. Der Zusammenhang zwischen Fütterung und Gesundheit wurde hier erstmals ansatzweise erkennbar.

 

 


Raufutter damals und heute ...


Auch die  Grundfütterung  mit Heu und Stroh unterschied sich damals um einiges von heute: Die intensive Landwirtschaft gab es noch nicht. Kunstdünger war ein Fremdwort, die Böden waren weder ausgelaugt noch verdichtet. Was in der Erde wuchs, wuchs langsamer, vielfältiger und mit ausgewogener Nährstoffzusammensetzung. Es gab noch keinen Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln oder Halmverkürzern. Quantitative Nachteile bezüglich des Ernteertrags wurden durch eine qualitativ hochwertige und natürliche Nährstoffvielfalt wettgemacht. Die Werbung des Heus von Hand, die Trocknung auf Reutern oder unter dem Dach sorgte für eine hochwertige Rohfaserqualität inklusive Blatt- und Samenanteilen. Nicht vergleichbar mit maschinell geerntetem, dicht am Boden geschnittenem und anschließend fest gepresstem Heu.

Aufgrund der fehlenden Düngung stand Heu nur in begrenzter Menge zur Verfügung. Man musste sparsam mit diesem Futtermittel umgehen. Stroh, insbesondere das ernährungsphysiologisch wertvolle Haferstroh gab es dagegen reichlich und wurde gehäckselt als vollwertiges Futter geschätzt.. Auch Hafer  war nährstoffreicher als heute.

           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Sportpartner Pferd

Seit den 70er Jahren wurde das Pferd in Deutschland in der Landwirtschaft nicht mehr gebraucht. Langsam zeichnete sich ein Wandel vom Arbeits- zum Reitpferd ab. Das Reitpferd wurde und wird jedoch bei weitem nicht so stark beansprucht wie das Arbeitspferd. Es galt als Luxus, sich ein Reitpferd zu halten. In Weihenstephan bei München wurde zeitgleich im Bereich der „Landwirtschaft und Ernährung“ mit der Grundlagenforschung begonnen, der eine zunehmende Industrialisierung der Futtermittelgewinnung folgte.

Die ersten ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung für den Bereich „Landwirtschaft und Ernährung“ führten auch zur Ausdehnung von Monokulturen. Große Mengen Stickstoff in der Düngung und Unmengen von Eiweiß in der Tierfütterung galten als Schlüssel für Ertragssteigerung. In den 80er Jahren wurde der Grundstein zur Massenhaltung sogenannter „Nutztiere“ gelegt und akademisch begründet.

Die Pferdefütterung schloss sich diesem Kontext an. Hartgepresste große Pellets mit hohem Grünmehlanteil, Kleie und reichlich Eiweiß aus Extraktionsschrot sollten den Pferdebesitzern gleichzeitig Heu und Haferfütterung ersparen, die Fütterung von Häckseln starb praktisch aus. Einfach und bequem musste es gehen. Das Raufutter verlor mehr und mehr seine Bedeutung. Dass dabei Koliken und Schlundverstopfungen an der Tagesordnung waren, wurde lange hingenommen. Die Pferde mussten nicht mehr so hart arbeiten, die Boxenhaltung wurde modern.

In den 90er Jahren wurde die Fütterung der Pferde abermals revolutioniert. Neben dem Ausbau und der Verbesserung der Pelletfutter begann ganz nebenbei der Einzug des  „Müslis“ für Pferde. Die Bedeutung der Fette, Mineralien, Vitamine und Spurenelemente in der Tierernährung nahm dank ausgiebiger naturwissenschaftlicher Forschung auch in der Pferdefütterung zu. Gesunde Ernährung zog in das Bewusstsein der Pferehalter ein.

Der Pferdesport begann zu boomen. Moderne Reitställe entstanden. Der beginnende Niedergang in der Landwirtschaft machte die Bauern erfinderisch und viele Landwirte bauten ihre Rinder- und Schweinställe in Reitanlagen um.
Funktionelle Ernährung heute

Pferdefutter wird für die Futtermittelindustrie immer lukrativer. Auf  Pferde- und Reitsportmessen wird der Besucher von der Vielzahl der angebotenen Produkte überrascht und beinahe schon überfordert. - Mittlerweile werden Pferde auf den ersten Blick gezielter, gesundheits- und leistungsfördernder als manche Menschen ernährt.  Funktionale Fütterung zur gezielten Steigerung des Wohlbefindens, zur Vorbeugung von Erkrankungen des Bewegungsapparates oder zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit sind aktuelle Themen geworden.
Rationsberechnungen geben vor, genau zu wissen, was ein Pferd an Energie, Eiweiß, Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen täglich braucht, abhängig von den Anforderungen wie leichte, mittlere oder schwere Arbeit, von der Rasse, dem Alter und der Haltungsform, etc. .

Jedoch ist es riskant, Vitamine, Proteine und Spurenelemente in ihrem Bedarf separiert zu betrachten oder zu bewerten. Der Organismus und der Stoffwechsel unserer Pferde ist bildlich gesehen ein Regelwerk, das eher auf ein „zu wenig“ als auf ein „zu viel“ ausgerichtet.  Wichtig für dieses Regelwerk ist die gesunde Balance der Darmflora, die für den Aufschluss und die Verwertung natürlicher Pflanzenstoffe verantwortlich ist. Diese Balance wird nur durch ausreichendes und qualitativ hochwertiges, rohfaser- und artenreiches Grundfutter wie Heu, Stroh und Getreide erreicht.

Eine Aufwertung des Grundfutters durch naturbelassenes Zuatzfutter (z.B. Getreide, Saftfutter, Leinsamen, Kräuter), kann hinsichtlich der bereits erwähnten Anforderungen (Rasse, Alter, Haltungsform, Leistung, Jahreszeit) absolut sinnvoll sein.

 

 

 

Nachfolgend eine kleine Auflistung ergänzender

natürlicher Futtermittel

Getreide

Hafer
- Diese Getreideart dürfte in der Pferdefütterung

wohl die größte Tradition besitzen. Hafer ist reich an hochverdaulicher Energie, welche schnell in den

Stoffwechsel eintritt und somit auch den für die

entsprechende Arbeit notwendigen „Schub“ bereitstellt

und in Verbindung mit den ebenfalls in Hafer enthaltenen wertvollen Fettsäuren i.d.R. wesentlich zu einer ausgewogenen Ernährung beiträgt.

Leider enthält Hafer aber auch im Gegensatz zu Heu verhältnismäßig viel Eiweiß, was die Fütterung, auch

anderen eiweißreichen Getreidesorten,  mitunter

erschwert. Hier gilt im Besonderen: Die Dosis ist relevant.

Ein weiteres Kriterium, welches bei der Fütterung von

Hafer zur Beachtung kommen sollte, ist die Qualität.

Das gesunde Haferkorn ist voll und geschlossen;

abstehende und große Spelzen lassen ebenso auf mangelhafte Qualität schließen wie gräuliche Verfärbungen und muffiger Geruch.

Bedeutend ist ebenfalls das Litergewicht; hierfür füllt man einen Meßbecher bis zur Litermarkierung (1.000 ccm) mit Hafer und wiegt das Nettogewicht (also Gesamtgewicht abzüglich Meßbecher). Hafer mit einem Litergewicht von unter 550g ist für die Pferdefütterung ungeeignet, da der Anteil an Eiweiß und Rohfaser im Verhältnis zur verdaulichen Energie zu hoch ist.


Gerste -  ist des Haferkorn des Orients und dort mindestens ebenso traditionell in der Pferdefütterung wie in unseren Breiten der Hafer.

Gerste ist energiereich und im Verhältnis zu Hafer relativ eiweißarm; die Energie wird langsamer verstoffwechselt und ist somit ideal für gemischte Pferdebestände. Gerste wird sowohl von normal arbeitenden Pferden als auch von Arabern und anderen hoch im Blut stehenden Pferden und sogar Ponys vertragen.

Gerste darf jedoch grundsätzlich nur gequetscht verfüttert werden, da bei der Fütterung als ganzes Korn die Gefahr besteht, dass es hier durch eine Ausspülung von unzerkauten Gerstenkörnern über die kurze Darmpassage vom Magen zum Dünndarm zu Koliken kommen kann.  Gersteflocken eignen sich ebenfalls nicht zur Fütterung empfindlicher Pferde; durch den Herstellungsprozeß werden einige wichtige Bestandteile denaturiert und der Allergengehalt erhöht. Gänzlich abzulehnen ist die Fütterung von trockener geschroteter Gerste, da es hierbei zur Entstehung von Magensteinen kommen kann.

Gerste besitzt in gequetschtem Zustand eine erheblich längere Haltbarkeitsdauer als Hafer, da Gerste nicht zu enzymatischer Oxydation neigt. Außerdem ist die Verdaulichkeit von gequetschter Gerste im Verhältnis zum ganzen Korn um bis zu 15% höher. - Das Litergewicht von als Pferdefutter geeigneter Gerste sollte über 600g liegen.


Mais - Als traditionelles Getreide der neuen Welt ist Mais sehr energiereich und eiweißarm; die enthaltenen Eiweiße sind allerdings von minderer Qualität; Mais enthält kaum nennenswerte Anteile essentieller Aminosäuren, dafür aber einen hohen Anteil Beta-Carotin. Er ist aber ein schneller Energielieferant; seine Eignung liegt daher eher im Hochleistungssport und weniger im Bereich der Grundenergieversorgung. Zur Deckung des Erhaltungsbedarfs sollte die Fütterung mit Mais daher maximal 15% der Tagesration ausmachen. Bei höheren Gaben kann es sonst zu Störungen des Allgemeinbefindens, Leistungseinbußen und angelaufenen Beinen kommen.

Mais wird entweder als ganzes Korn oder aber als Flocke gefüttert, wobei letztere Variante in jedem Fall vorzuziehen ist, da die hydrolytische Herstellung dafür sorgt, dass Maisflocken im Gegensatz zum ganzen Korn bis zu 90% aufgeschlossen werden können. Gebrochener Mais kann zwar auch verfüttert werden, wird aber von den meisten Pferden nicht oder nur ungern angenommen. Mais enthält wenig essentielle Fett- und Aminosäuren, dafür aber einen hohen Anteil Beta-Carotin.
Roggen - Roggen besitzt aufgrund seines hohen Eiweißgehalts eine stark stoffwechselbelastende Wirkung und ist daher nicht für die Pferdefütterung geeignet.

Weizen - Während Weizenstroh nicht nur als Einstreu, sondern auch als Futtermittel eingesetzt werden kann, belastet das eigentliche Weizenkorn aufgrund der enthaltenen Stärke und Glutene den Stoffwechsel.  - Aus diesem Grund ist Weizen ebenfalls nicht zur Pferdefütterung geeignet.

 

 

 

Saftfutter - Karotten, Rote Beete & Co.

Karotten in der Nahrung tragen sehr effektiv zur Gesunderhaltung

von Haut, Haar und Augen bei. Diese besonderen Fähigkeiten werden insbesondere dem reichhaltig vertretenen Farbstoff ß-Karotin und den hohen Mengen sog. darmwirksamer Pektine zugeschrieben:  

ß-Karotin entfaltet eine wissenschaftlich erwiesene, eigenständige Wirkung besonders bei Fruchtbarkeitsstörungen und
ist deshalb als schmackhafte, winterliche Ergänzungskost sehr gut geeignet.

Die sowohl in Karotten als auch in Rote Bete vorhandenen Pektine

und Frucht-Oligosaccharide (FOS) quellen zudem im Magen-Darm-

Trakt schleimartig auf und bewirken nicht nur eine darmschützende, sondern auch eine durchfallhemmende Wirkung.

Eher als typisch deutsches Wintergemüse bekannt ist die

Rote Bete. Bereits um 400 v. Chr. wusste man um die

Heilwirkungen der Wurzelknolle bei Hautentzündungen

und Infektionskrankheiten. Der in Rote Beete reichlich vorhandene Farbstoff Betanin entfaltet gemeinsam mit weiteren pflanzlichen Inhaltsstoffen einen wirksamen Immun- und Tumorschutz und

unterstützt u.a. die Stärkung und Blutbildung nach Operationen

oder Krankheit.

Bei Haus- und Heimtieren ist die Zufütterung dieser Gemüse

besonders bei Harn- oder Nierenproblemen, Stoffwechsel-Imbalancen oder präventiv bei Stresssituationen  zu empfehlen.


Ölfrüchte und Pflanzenöle

Leinsamen


Besonders wertvoll ist die Zufütterung mit Leinsamen oder Leinöl. Leinsamen hat mit seinen vielen positiven Auswirkungen auf die Verdauung, Fell und Haut des Pferdes in der Pferdefütterung seinen festen Platz gefunden - bietet er doch einen umfassenden Schutz für die Schleimhaut des Magen-Darmtraktes und wirkt so verdauungsfördernd und kolikvorbeugend.  

Eine deutliche Verbesserung der Stoffwechselfunktion durch die Zufuhr von essenziellen und ungesättigten Fettsäuren (Omega 3 und Omega 6) führt sichtbar zu einem gesunden Haut- und Haarbild.  Durch die Schleimstoffe und Öle im Leinsamen wird pflanzliche Gelatine gebildet, die als Aufbaustoff für die Knorpelbildung dient.

Leinsamen darf niemals „roh“ verfüttert werden; die enthaltenen Blausäurebestandteile werden erst durch die Zubereitung mittels Kochen und anschließendem Ziehenlassen neutralisiert. - Im Handel ist jedoch eine Vielzahl an bereits vorbehandelten Leinsamenprodukten erhältlich, so dass der Tierhalter hier nicht auf die eigene aufwändige Zubereitung angewiesen ist.



Pflanzenöle

Pflanzenöle sind in ihrem Einsatzbereich bei der Pferdefütterung vielfältig und können je nach Art sowohl als diatetische Komponente als auch als reiner

Energieträger verabreicht werden. Besonders hochwertig sind kaltgepresste Pflanzenöle; hier ist in erster Linie Leinöl zu nennen, dessen hochwertige essentielle Fettsäurekomponenten bei der Darmregulierung nach Krankheit oder Fütterungs- resp. Haltungsfehlern eine große Rolle spielen.

Entgegen der landläufigen Meinung - und den Aussagen einiger Futtermittelhersteller - reicht als reiner Energieträger beispielsweise herkömmliches

Sonnenblumenöl vom Discounter vollkommen aus und leistet insbesondere bei der eiweißarmen Fütterung von Allergikern hervorragende Dienste.

Wie die hochwertigen kaltgepressten Öle sind natürlich auch die industriellen Pflanzenöle aus dem Lebensmittelhandel einem gewissen Verderblichkeitsprozeß ausgesetzt; besonders Wärme und Lichteinfall sorgen mitunter für eine rasche Zersetzung wichtiger Bestandteile; das Öl wird „ranzig“.

Pferde reagieren auf verdorbene oder minderwertige Öle mitunter sehr empfindlich; besonders verdorbene Öle können toxisch wirken, deshalb dürfen hier

nur wirklich einwandfreie Produkte verfüttert werden.

Wichtig ist beim Verfüttern von Ölen demnach vor allem die Hygiene!!!

Da Fette und Öle pro Gramm doppelt so viel Energie liefern wie dieselbe Menge an Kohlenhydraten, kann eine Ration z.B. an Hafer deutlich reduziert werden

durch Zugabe von Öl. Besonders Leinöl ist wegen des Linolen besonders gut geeignet. Pro Mahlzeit sollte bei einem Großpferde die Menge von 100 ml nicht überschritten werden, da im Dünndarm unverdautes Öl im Dickdarm Verdauungsstörungen verursachen kann. Pferde besitzen keine Gallenblase, die den Fettstoffwechsel unterstützt.

Im Dickdarm entstehen durch Mikroorganismen flüchtige Fettsäuren bei der Zerlegung der Rohfaser. Diese flüchtigen Fettsäuren stellen im Grunde die natürlich Energieversorgung des Pferdes dar.


Kräuter

Kräuter sind vitamin- und mineralstoffreich und somit ideal für die Pferdefütterung geeignet ... Das Pferd als physiologischer Pflanzenverwerter ist für die Verstoffwechlsung von Inhaltsstoffen aus Pflanzen prädistiniert.

Die meisten Kräuter enthalten arzneimittelwirksame Bestandteile, die in zu hoher Dosierung auch toxisch wirken können. Daher sollten Kräuter nicht maßlos und unbedacht auf Verdacht zugefüttert werden. In freier Natur lernen Pferde, sich an bestimmten Pflanzen bei Bedarf zu bedienen.  Heute jedoch übernimmt der

Mensch die Selektion. Vor der Kräuterfütterung ist es in jedem Fall sinnvoll, einen phytotherapeutisch erfahrener Tierarzt oder Tierheilpraktiker zu konsultieren.

Fazit ...

... Sehr viele Pferde in unserer Gesellschft bekommen heute von fast allem zuviel. Der Einfachheit halber wird auch gerne bei synthetischen Mischfutterpräparaten aus dem Vollen geschöpft um Defizite in der Grundernährung auszugleichen. - Hier ist weniger meist mehr -

Das Hauptaugenmerk in der Pferdefütterung sollte sich auf das Wesentliche beschränken. Auf ausreichendes nicht zu energielastiges, hygienisch einwandfreies Grundfutter wie Heu, Stroh und Getreide, sinnvoll ergänzt durch Saftfutter und Leinsamen. Nur bei tatsächlich bestehendem Defizit oder leistungsbezogenem Mehrbedarf können zusätzliche gezielte Futterergänzungen sinnvoll sein.

Quellen:     www.thp-net.de  /   www.dr-susanne-weyrauch.de