Der Pferde-Zirkel
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Integrierte Zuchtwertschätzung: Wer sind die besten Hengste 2014?

 

 

 

Ein Züchter sollte die Anpaarung seiner Stute nicht allein vom Zuchtwert eines Hengstes abhängig machen. Aber der

Zuchtwert ist mehr als nur ein Marketinginstrument. Er gibt Hinweise auf die Vererbungssicherheit eines Hengstes. Welche Vatertiere in den Sparten Dressur und Springen zu den Besten gehören, zeigen die soeben erschienenen Zuchtwerte 2014.
In einem aufwändigen Zuchtwertschätzverfahren wird das genetische Vererbungspotenzial eines Hengstes anhand von

Eigen- und Verwandtenleistung ermittelt. Im Herbst jeden Jahres werden die Integrierten Zuchtwerte für Deutschlands Hengste geschätzt. Die Qualität der genetischen Vererbung wird in einem Zuchtwert in den Disziplinen Dressur und Springen angegeben.

Der Datenpool ist im Rückblick auf das vergangene Jahr abermals angewachsen. Die Daten von über 690.000 Pferden wurden mit einbezogen (Vorjahr: fast 670.000 Pferde). Über 14 Millionen Turniersportprüfungen sind in die

Berechnung eingeflossen und 3,6 Millionen Informationen aus Aufbauprüfungen, über 83.000 Informationen aus Zuchtstutenprüfungen, über 3.600 Informationen aus Veranlagungsprüfungen und mehr als 7.600 Informationen aus

den Hengstleistungsprüfungen wurden verwendet.

Alle diese Daten werden im Auftrag der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) vom Rechenzentrum der Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung (VIT) in Verden verarbeitet und die Zuchtwerte anhand aller Daten geschätzt.
Das Ziel dieser Zuchtwertschätzung ist es, erblich bedingte Leistungsunterschiede möglichst genau zu schätzen.

4Dadurch erhält der Züchter eine Grundlage zur Auswahl des passenden Hengstes für seine Stute. Die Zuchtwertschätzung

ist hierbei als ein Kriterium unter vielen in der Beurteilung von Pferden und deren Vererbungsleistung zu betrachten.

Das Wissen um einen Zuchtwert kann die Grundlage zu einer Selektionsentscheidung liefern. Er ist eine Entscheidungshilfe

für die Anpaarungsplanung hinsichtlich der gewünschten Veranlagung des Fohlens, sei es in Richtung Dressur, Springen

oder eine vielseitige Veranlagung.

Eine Hilfestellung für die Züchter ist die Rangierung der Hengste in die Top-Prozentklassen. Schnell sieht man, wie die Vererbungsleistung des in Frage kommenden Hengstes aussieht. In der Top-ein-Prozent-Klasse der Dressurhengste

sind alle Hengste mit einem Zuchtwert von 151 Punkten und besser vermerkt.

 

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Die Klasse der besten fünf Prozent beinhaltet Hengste mit Zuchtwerten ab 137 Punkten. Die besten zehn Prozent der Hengste sind in diesem Jahr ab einem Zuchtwertvon 127 Punkten und besser zu finden. Das beste Viertel der deutschen Zuchthengste (1.119 Hengste) ist ab einem Dressurzuchtwert von 109 Punkten zu finden. Bei den Springhengsten weichen die Grenzwerte der Klassen geringfügig von den Zuchtwerten in der Dressur ab. Die Top ein Prozent beginnen ab einem Zuchtwert von 152 Punkten, die Top fünf Prozent ist ab einem Zuchtwert von 140 Punkten und besser eingeordnet. Hengste mit einem Zuchtwert von 133 Punkten und besser zählen zu den besten zehn Prozent der Hengstpopulation und Hengste mit einem Zuchtwert von 117 Punkten und besser zu den besten 25 Prozent. - Einige Hengste haben bei der ersten Veröffentlichung ihrer Zuchtwerte gleich den Sprung in die Liste der Top-ein-Prozent-Vererber geschafft. In den meisten Fällen sind dies die jungen Hengste, deren erste Nachkommen in Zuchtprüfungen bewertet wurden. Das sind in diesem Jahr: All Inclusive (Jahrgang 2007), Bordeaux (Jahrgang 2006), Fackeltanz (Jahrgang 2005), Fürst Fugger (Jahrgang 2006), L‘Espoir (Jahrgang 2006), San Bernadino (Jahrgang 2006), Silbermond (Jahrgang 2007), Sir Gregory (Jahrgang 2005), Vitalis (Jahrgang 2007) und Vivaldi (Jahrgang 2002). 



Neu in der Liste der Top ein Prozent Spring-Zuchtwerte sind die Hengste Capistrano (Jahrgang 2006), Cloney
(Jahrgang 2005), Colestus (Jahrgang 2006), Lamberk (Jahrgang 2005), Quadros (Jahrgang 2007) und Quick Lauro Z (Jahrgang 1994), die in diesem Jahr die Veröffentlichungsgrenze von 70 Prozent erreicht haben.

Damit der Zuchtwert eines Hengstes veröffentlicht wird, muss die Sicherheit des Zuchtwertes mindestens 70 Prozent betragen und es müssen mindestens fünf Nachkommen eine Eigenleistung vorweisen. Die Hürde zur Veröffentlichung des Zuchtwertes Springen ist höher, da weniger Einzelmerkmale Springen in die Zuchtwertschätzung einfließen als in den Zuchtwert Dressur.


FN-Erfolgsdaten helfen bei der Suche nach dem richtigen Hengst



Die Zuchtwerte einzelner veröffentlichter Hengste sind ab sofort gegen eine Gebühr im Bereich Zucht (Claudia Koller, Telefon 02581/6362-256, E-Mail ckoller@fn-dokr.de) erhältlich. - Darüber hinaus liefern die FN-Erfolgsdaten auf der Internetseite www.fn-erfolgsdaten.de ausführliches Such- und Datenmaterial. Um den passenden Hengst zur Stute zu finden, bieten die Daten verschiedene und umfangreiche Filterfunktionen für die verschiedenen Zuchtwerte von Rittigkeit bis zum Schritt. Sie liefern gleichzeitig auch die Anzahl der Starts und Platzierungen der Hengste selbst und seiner Nachkommen in den vier Prüfungsarten Turniersport, Aufbau-, Zuchtstuten- und Hengstleistungsprüfungen. Hier können beispielsweise auch die Hengste nur nach dem Zuchtwert Turniersport selektiert werden. Neben den aktuellen FN-Erfolgsdaten aus Sport und Zucht werden aber auch eine Vielzahl weiterer, exklusiver Recherche- und Informationsfunktionen über Pferde, Reiter, Fahrer, Züchter, Turnierfachleute, Veranstaltungen, Vereine und Betriebe geboten.


Die Theorie dahinter:  Wie werden die Integrierten Zuchtwerte geschätzt?



Datengrundlage des Modells der Zuchtwertschätzung sind die vorliegenden Leistungs- und Abstammungsdaten. Zu den Leistungsdaten gehören zum einen die Ergebnisse aus dem Turniersport bis zur Klasse S. Diese Daten werden seit dem 1. Januar 1995 über das Turnier-Organisations-System Toris erfasst. Zum anderen werden Daten aus Zuchtstuten- Veranlagungs- und Hengstleistungsprüfungen verarbeitet. Als Leistungsmerkmale werden die Noten für Schritt, Trab, Galopp, Rittigkeit und Freispringen (bei Zuchtstuten- und Veranlagungsprüfungen) sowie die Noten für die Gangarten, Rittigkeit, Frei- und das Parcoursspringen (bei Hengstleistungsprüfungen) verwendet. Zu diesen Leistungsdaten kommen noch die Abstammungsdaten aus mindestens zwei Generationen hinzu, die für eine verwandtschaftliche Verknüpfung herangezogen werden.

Zur Schätzung des genetischen Potenzials (Zuchtwert) eines Pferdes wird seine eigene Leistung berechnet, ebenso wie die seiner Verwandten. Eine Leistung wird unter Betrachtung der Umwelt, in der sie erbracht wurde, gesehen. Der Begriff Umwelt berücksichtigt beispielsweise für die Merkmale des Turniersports und der Aufbauprüfungen die Faktoren Alter und Geschlecht des Pferdes sowie die Leistungsklasse des Reiters. 
So wird auch in dem Modell berücksichtigt, ob ein Pferd eine Prüfung gewonnen hat, weil es unter einem besonders guten Reiter ging, weil die anderen Pferde im Teilnehmerfeld besonders schwach waren oder weil das Pferd entsprechend hoch genetisch veranlagt ist. Durch diese Berücksichtigung der Umwelteffekte und der genetischen Effekte, die im Pferd selbst stecken, ist das Schätzmodell in der Lage, die genetische Überlegenheit eines Pferdes diesen Einflussfaktoren differenziert zuzuordnen. Durch diese Vorgehensweise können auch für Pferde ohne Eigenleistung in allen Merkmalen Zuchtwerte anhand der Verwandtenleistung geschätzt werden.

Für jedes Pferd wird in jedem Einzelmerkmal ein Zuchtwert geschätzt, es gibt also insgesamt 20 Zuchtwerte. Auf der Internetseite der FN-Erfolgsdaten kann nach allen Einzelzuchtwerten jeweils eine eigene Toplisten erstellt werden. Die Springmerkmale aller Prüfungsarten, also der Rang in der Springprüfung, die Wertnote in der Springpferdeprüfung sowie die Beurteilung des Frei- und Parcoursspringens bei den Zuchtprüfungen werden zu einem Gesamtzuchtwert „Springen“ zusammengefasst. Gleiches gilt für die Dressurmerkmale: Rangierung in der Dressurprüfung, Wertnote aus der Dressurpferdeprüfung, Beurteilung der Gangarten und der Rittigkeit aus den Zuchtprüfungen. Daraus ergibt sich der Gesamtzuchtwert „Dressur“.


Quelle: Dr. Teresa Dohms Warnecke /  fn-press

 

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