Der Pferde-Zirkel
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Die Arbeit am langen Zügel als gesunde Ausbildung für das Pferd

 

von Tierphysiotherapeutin HR® und Begründerin des PHYSIO-RIDING® Sabine Bruns

 

Als mein erster Ataxiepatient alt genug war, um als Reitpferd ausgebildet zu werden, habe ich zum ersten Mal die Arbeit am langen Zügel konzentriert und über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinweg systematisch durchgeführt. Das Ergebnis war mehr als überzeugend. Seitdem habe ich ein Konzept für die Langzügelarbeit entwickelt, das ich heute jedem Pferdeausbilder empfehlen kann

 

Viele Pferde werden bedingt durch wirtschaftliche Zwänge der Züchter und Ausbilder sehr früh eingeritten.  - Wenn man diese jungen Pferde im ersten Jahr kombiniert am langen Zügel und unter dem Sattel ausbildet und zusätzlich sinnvolle Massageeinheiten integriert, bleiben die Pferde gesund und lernen trotzdem nicht langsamer, sondern - ganz im Gegenteil - schneller und deutlich leichter.

 

Der tägliche zeitliche Aufwand ist nicht größer als bei der herkömmlichen Ausbildung des jungen Pferdes, da in sehr kurzen täglichen Arbeitseinheiten gearbeitet wird.

 

Die Arbeit am langen Zügel erfüllt viele Zwecke: Das Tier lernt, den Menschen zu verstehen,  die Körperwahrnehmung und das Gleichgewichtsgefühl werden gefördert und es findet effektiver  Muskelaufbau ohne zusätzliche Last durch den Reiter statt.- Der größte Vorteil ist, dass Pferde, wenn sie Lektionen erst an der Hand gelernt haben, diese unter dem Sattel deutlich leichter umsetzen können und so körperlich nicht überfordert werden. Es gibt weniger Konflikte zwischen Tier und Mensch, Muskeln können physiologisch gesund arbeiten und die Pferde bleiben gesund.

 

Durch die Arbeit am langen Zügel kann man die Reihenfolge der Grundausbildung in positiver Weise ändern. So kann ich schwierige Seitengänge wie beispielsweise Travers und Renvers viel früher spielerisch üben als bei der normalen Ausbildung des Reitpferdes. Hierdurch werden die tragenden Muskeln der Hinterhand kräftig und die Pferde können sich unter dem Reiter von Anfang an leichter ausbalancieren und Gewicht aufnehmen. - Auch Lektionen der Versammlung wie beispielsweise die Passage entstehen bei der Langzügelarbeit häufig  „so nebenbei“ und können dann auch später unter dem Reiter leicht abgerufen werden.

 

Die Ausbildung des Pferdes am Boden teile ich in 4 aufeinander aufbauende Stufen ein:

 

1. Die Pferde lernen, mit Stricken, Bandagen und Gerten am ganzen Körper zuverlässig angstfrei umzugehen und die Belohnung durch Leckerli gesittet anzunehmen ohne zu fordern oder aufdringlich zu betteln.

 

2. Die Pferde lernen an Halfter und Longe wichtige Stimmenkommandos, die ich bei der Langzügelarbeit brauche wie beispielsweise „Halt“, „Schritt“, „Rück“ (für rückwärts), „Trab“, „Fuß“ (anheben einzelner Füße auf Kommando) und verschiedene Formen des Schnalzens für mehr Tempo bzw.  Takt in der Versammlung.

 

3.Gewöhnung an die Trense mit Gebiss und erste Übungen an verschiedenen Positionen, beidseitig erst neben der Schulter, später neben der Kruppe,  dann auch hinter dem Pferd.

 

4. Erarbeitung von Lektionen der Versammlung zum Muskelaufbau für die Versammlung unter dem Reiter

 

Die Arbeit am langen Zügel sollte man unbedingt mit verschiedenen Massagegriffen kombinieren. - Hierbei meine ich nicht die normale warm up Massage vor dem Reiten sondern ich integriere Massagegriffe in die Arbeitseinheit am langen Zügel.

 

Massagen wirken nicht nur physiologisch auf den Spannungszustand von Muskeln sondern auch das Bewusstsein für die Muskelarbeit im Körper des Pferdes wird gefördert. So kann man beispielsweise direkt vor der Übung „Travers am langen Zügel“ die Halsmuskeln außen mit dem Harkengriff  auf die Dehnung und die Oberschenkelmuskeln innen mit Drückungen auf die Gewichtaufnahme vorbereiten. Übt man dann sofort im Anschluss die Lektion, fällt es dem Pferd leichter, da die geforderten Körperteile für ihre Aufgabe sensibilisiert sind.

 

Damit die Arbeit am langen Zügel gelingt sollten folgende Grundsätze unbedingt beherzigt werden: -

 

Teilung der Ausbildungsziele in kleinste Lernschritte. Das Pferd muss immer mit dem Kopf verstehen, was es mit dem Körper umsetzen soll. Die Mittel der Kommunikation sparsam einsetzen, also wenige einfache Signale üben. Nie Ausbildungsinhalte mit Strafen verbinden. Körperliche Erschöpfung unbedingt vermeiden.

 

Natürlich eignet sich die Langzügelarbeit auch hervorragend für die Korrektur von älteren Pferden, die ihr physiologisches Gleichgewicht verloren haben. Schon innerhalb weniger Wochen kann man hier deutliche Verbesserungen  erreichen.


 

Termine für individuelles Coaching  bei der Ausbildung des Pferdes am langen Zügel oder Gruppenseminare können per Email oder Telefon vereinbart werden. Weitere Infos unter www.physio-riding.de