Der Pferde-Zirkel
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Gefahr erkannt - Gefahr gebannt
                                

                          Nageltritt und andere Hufverletzungen

 

 

Verletzungen am Huf werden nach wie vor häufig in ihrer Brisanz unterschätzt, insbesondere wenn es sich um das Eintreten von Nägeln oder anderen spitzen Fremdkörpern wie Drähte, Hufnägel, Schrauben, Blechkanten oder Glasscherben handelt. Unter einem Nageltritt versteht man im weitesten Sinne nicht nur Verletzungen durch Nägel, sondern jegliche Form von Verletzung durch Eindringen von Fremdkörpern. Da es sich bei der landwirtschaftlichen Nutzung der Pferde meist um Nägel oder auch Eggenzinken gehandelt hat, entstand die Bezeichnung „Nageltritt“.


Während bei einer offenen Hufwunde der Grad der Verletzung oft mit bloßem Auge zu erkennen ist, wird ein sogenannter Nageltritt nicht selten erst durch Zufall beim Säubern der Hufe entdeckt. Da das Pferd nicht immer lahmt und sich die Einstich- oder Eintrittsstelle schnell verschließt, wird der Verletzung in vielen Fällen nicht die notwendige Bedeutung entgegen gebracht.
 
Der Nageltritt ist jedoch immer – auch wenn er noch so unscheinbar ist – ein absoluter Notfall.


Durch eindringende Fremdkörper gelangen immer Bakterien in das Hufinnere, welche sich unbehandelt zu schweren Infektionen entwickeln können. Je nach betroffener Hufstruktur und Tiefe der verletzten Region entwickeln sich solche Infektionen nicht ausschließlich und unmittelbar nach dem Nageltritt sondern können mittel- bis langfristig entfachen. So entstehende Hufabzesse, Huflederhautentzündungen, Infektionen des Hufgelenkes oder der Hufrolle sind äußerst schmerzhaft für das Pferd  und weiterhin sehr schwierig und langwierig  zu therapieren.

Neben dem Infektionsrisiko besteht ebenfalls die Gefahr, dass das Hufbein, das Strahlbein, die tiefe Beugesehne, das Strahlbein/Hufbein-Band oder der Schleimbeutel des Hufbeins verletzt worden sind.


Folgende Strukturen des Hufes und Tiefen der Verletzung lassen sich zusammenfassen:

Oberflächliche Strukturen: Sohlen- und Strahllederhaut – Strahl- und Ballenpolster

Tiefere Strukturen: Tiefe Beugesehne – Hufbein

Synoviale Strukturen: Schleimbeutel der Hufrolle – Hufgelenk


 


Verletzung der Huflederhaut

Praktisch bei jedem Nageltritt, der bis auf die Huflederhaut reicht und nicht sofort behandelt wird, kann sich ein Hufgeschwür entwickeln. Über den Stichkanal dringen Bakterien ein und führen zu einer eitrigen Infektion der Huflederhaut.


Verletzung des Strahlpolsters

Der Strahl wird aus weicherem Horngewebe gebildet, so dass sich die mit dem Einstich eingedrungenen Bakterien gut im gesamten Strahlbereich verteilen können und diesen infizieren können. Es entstehen häufig Strahlpolsterphlegmone, bei der das Pferd versucht nur die Zehenwand zu belasten. Vom Strahl

 

 

ausgehend kann die Entzündung auf die Hufknorpel oder die Beugesehnenscheide übergehen.


Verletzung des Hufbeins


Das Hufbein kann durch Gegenstände verletzt werden, die auf die Mitte der Hufsohle zielen. Die Pferde gehen stark lahm. Der Tierarzt kann durch Sondierung des Einstichkanals oder durch ein Röntgenbild feststellen, ob in wechlem Maße das Hufbein betroffen ist.



Verletzung der tiefen Beugesehne und des Schleimbeutels
(Bursa podotrochlearis)


Die tiefe Beugesehne und ihr Schleimbeutel werden häufig gemeinsam verletzt. Die Pferde gehen hochgradig lahm und das Allgemeinbefinden verschlechtert sich rasch. Aus dem Einstichkanal (meist seitlich in einer der Strahlfurchen) kann sich, sofern dieser sich nicht wieder verschlossen hat, zunächst bernsteinfarbene, fadenziehende Schleimbeutelflüssigkeit (Synovia) entleeren. Im weiteren Verlauf wird die Flüssigkeit durch die bakterielle Infektion trübe. Wenn die Entzündung nicht rechtzeitig behandelt wird, kann sie auf das benachbarte Hufgelenk übergreifen (Hufgelenkentzündung).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Verletzung des Hufgelenks

Bei ganz tiefen Verletzungen dringt der Fremdkörper auch in das Hufgelenk ein und führt dort zu einer Entzündung (Hufgelenkentzündung).

 

Die Symymptome ähneln denen bei Beugesehnen- und Schleimbeutelverletzungen.

Je nachdem ob ein Nagel oder anderer spitzer Fremdkörper im vorderen Sohlenbereich oder im hinteren Strahlbereich eintritt und dort im Hufhorn stecken bleibt, wird das Pferd versuchen entweder mit der Hufspitze oder der Trachte aufzusetzen, bzw. die Belastung ganz zu vermeiden.  Da das Schmerzempfinden von Pferd zu Pferd stark variiert und z.B. der Gruppenzwang bei einem Ausritt in Gesellschaft das Schmerzempfinden unterdrücken kann,  bleibt ein Nageltritt im ersten Moment häufig unbemerkt. Eine ausgeprägte Stützbeinlahmheit tritt dann meist verzögert mit entsprechendem Infektionsdruck auf. Druck meine ich wortwörtlich, denn das sich bildende Wundsekret im Huf kann nicht abfließen und so entsteht innerhalb der Hornkapsel ein enormer Druck – vergleichbar mit einer Hufrehe –

Rückschlüsse auf möglich verletzte Strukturen im Huf kann evtl. die Lage der Eintrittsstelle geben. Besonders gefürchtet sind Verletzungen die durch das Eindringen über den Strahl oder die Strahlfurche einhergehen, da insbesondere hier der Weg zu den tieferen und gelenkbezogenen Strukturen eher kurz ist.

Gerade im Bereich dieser Strukturen ist keine gut funktionierende Immunabwehr vorhanden, wie es sie vergleichsweise in gut durchblutetem Gewebe gibt. Wird eine mögliche Infektion nicht unmittelbar antibiotisch behandelt, greift diese rasch auf die knöcherne Substanz wie Hufbein, Strahlbein oder das Hufgelenk über. Auch die tiefe Beugesehne und die Schleimbeutel sind dann schnell in Mitleidenschaft gezogen.

Landläufig besteht die Meinung, dass die Gefahr gebannt sei, wenn sich Eiter aus dem Kronsaum befreit. Doch dies ist ein falscher Rückschluss, denn der Weg vom Eiterherd bis zum Kronsaum hat bereits Gewebeschäden hinterlassen, die im schlimmsten Fall zum Ausschuhen, d.h. zum Ablösen des Hornschuhs führen können.


Wie behandelt der Tierarzt?

Auf jedenfall wird er sich nach dem Tetanusimpfschutz erkundigen und im Zweifelsfall Tetanusserum spritzen, wegen der Infektionsgefahr Antibiotika spritzen (systemisch, regional, lokal) und entzündungshemmende Medikamente (nichtsteoridale Antiphlogistika) überreichen, nach einer genauen Untersuchung der Eintrittsstelle einschließlich der evtl. Entfernung des Fremdkörpers dieselbe trichterförmig erweitern, damit Eiter und Sekret abfließen kann, sie desinfizieren, gegebenenfalls zerstörtes Gewebe entfernen und einen Verband anlegen, der regelmäßig gewechselt werden muss.

Im Zweifelsfalle wird das Pferd in eine Pferdeklinik überwiesen um weitere Verletzungen auszuschließen, bzw. diese der Schwere entsprechend versorgen zu können.

Beim Verbandswechsel wird die Wunde entweder mit Jodoformether oder Penicillin-Sulfonamid-Pulver versorgt. Auch das Anbringen eines Anguss-Verbandes zur Förderung der lokalen Abwehrkräfte durch die entstehende feuchte Wärme bzw. zur Hornerweichung für eine evtl. erforderliche Operation sollte in Erwägung gezogen werden.

Wenn der Tierarzt gleich verständigt wurde und der Nagel nur bis in die Lederhaut eingedrungen ist, ist das Pferd im Allgemeinen bereits wieder nach 10 bis 14 Tagen einsatzbereit. Bei verschleppten Infektionen oder gar bei Knochen-/Gelenksbeteiligung sind die Heilungsprognosen vage.  

Und die Moral von der ganzen Geschicht: Achtet auf Nageltritte und nehmt sie nicht auf die leichte Schulter. Innerhalb von 1-2 Tagen als solcher erkannt, genügt meistens das Umschneiden des Stichkanals in Kombination mit einer antibiotischen Versorgung. Ist der Nageltritt erst einmal verschleppt, gestaltet sich eine Therapie schwierig und nicht immer erfolgreich. Die Dauer der Behandlung und die Prognose des Behandlungserfolgs hängen demnach unmittelbar von der Zeit zwischen dem Beginn der Behandlung und dem Eintritt des Fremdkörpers ab.

Und last not least die immer wieder diskutierte Frage: Soll der eingedrungene Fremdkörper an Ort und Stelle belassen oder entfernt werden? Die Frage stellt sich insbesondere dann, wenn der Nageltritt sich beim Ausritt im Gelände ereignet. Grundsätzlich sollte der Fremdkörper nicht entfernt werden, es sei denn, es besteht die Gefahr, dass der Gegenstand noch weiter eindringt. Also einen Nagel, der bis zum Kopf in der Sohle sitzt, bleibt stecken, ein Nagel, der noch halb raus ragt, sollte entfernt werden. Bei stecken gelassenem Nagel kann der Tierarzt per Röntgenbild später feststellen, welche Strukturen durch den Nagel verletzt worden sind. Wird der Nagel entfernt, verschließt quellförmiges Horn den Stichkanal und macht die Eintrittsstelle unkenntlich. Merkt Euch deshalb auf jeden Fall vor der Entfernung die Stelle des Eindringens (am bestens mit dem Taschenmesser die Sohle anritzen) und Richtung, wie der Nagel in die Sohle/Strahl eingedrungen ist, und nehmt den Nagel mit, um ihn dem Tierarzt zu zeigen. Im übrigen läßt sich ein fest eingetretener Nagel mit bloßen Händen sehr schlecht entfernen. Wird der Fremdkörper wegen der Gefahr des weiteren Eindringens entfernt, so sollte um das Eindringen weiteren Schmutzes/Erde zu verhindern ein provisorischer Hufverband angelegt werden, bevor das Pferd Richtung Stall geführt wird
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