Der Pferde-Zirkel
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Hier ist der Wurm drin - Resistenzen auf dem Vormarsch

 

 

Pferde sind von einer Vielzahl unterschiedlicher Magen-Darm-Parasiten befallen. Wobei ein geringer Befall nicht pathologisch ist, denn das Pferd dient naturgemäß als Zwischen- und Endwirt. Jedoch kommen besondere Faktoren, wie z.B. eine hohe Bestandsdichte, nicht ausreichende Hygienemaßnahmen und z.B. ein belastetes Immunsystem einzelner Pferde zum tragen, dann ist schnell der Wurm drin und der Befall von Parasiten kann gesundheitsschädlich bis lebensbedrohlich verlaufen.

 

 

 

 

Magen-Darm-Parasiten im Überblick

Sowohl wenige Tage alte Saugfohlen als auch Pferde im hohen Alter sind mit Würmern befallen. Die Art des Befalls

ist häufig altersabhängig. Im Vordergrund stehen dabei die Zwergfadenwürmer der Fohlen (Strongyloides westeri), die kleinen Strongyliden (Palisadenwürmer), der Pferdespul- wurm (Parascaris equorum), der Bandwurm sowie die

Larven der Magendasseln.
 
Die unterschiedlichen Ansiedlungsbereiche dieser Parasiten können Schädigungen im Magen-Darm-Kanal, den Augen, der Unterhaut, Bauchhöhle, im Sehnen- und Bindegewebe, den
Arterien und Venen der Gliedmaßen und der Lunge hervorrufen. Dabei erfolgt die Schädigung der befallenen Pferde vielfach nicht durch die erwachsenen Würmer, sondern hauptsächlich durch die Larven während ihrer Körperwanderung.


Seit mehreren Jahrzehnten werden strategische Maß- nahmen zur Entwurmung in Pferdebeständen mit wenigen unterschiedlichen Wurmmittel (Anthelminthika) eingesetzt. - Mit dem Begriff „strategisch“ ist dabei die Behandlung sämtlicher Tiere eines Bestandes in festgelegten regel-mäßigen Zeitabständen gemeint. Die gegenwärtig auf dem Markt erhältlichen Wurmpasten basieren auf nur vier verschiedenen Wirkstoffgruppen


Praziquantel (PZQ) – wirkt ausschließlich gegen Bandwürmer und ist für Pferde nur in Kombinationspräparaten zugelassen.

Pyrantel (PYR) - Benzimidazole (BZ) -  (Ivermectin (IVM) und Moxidectin (MOX))
– wird eingesetzt gegen kleine Strongyliden, Spulwürmer und andere Magen-Darmparasiten

(PYR = z.B. Jernadex, Banminth) (BZ = z.B. Panacur, Rintal) (IVM/MOX = z.B. Eraquell, Ivomec, Furexel, Equest …) (Kombi PYR + IVM = z.B. Equimax)

IVM
und MOX haben ein sehr breites, zahlreiche Endoparasiten erfassendes Wirkungsspektrum. IVM wird im Besonderen auch gegen Ektoparasiten, z.B. Dassellarven angewendet.
 
MOX hat im Vergleich zu IVM zusätzlich eine Teilwirkung gegen die in der Darmschleimhaut „eingegrabenen Zysten“ den dritten Larvenstadien der kleinen Strongyliden.  

Dem Erfolg der beschriebenen Wirkstoffe bei der Bekämpfung der genannten Parasiten-Infektionen steht die Beobachtung gegenüber, dass ein wachsender Teil bestimmter Magen-Darmparasiten gegenüber den genannten Wirkstoffgruppen Resistenzen (eingeschränkte Wirksamkeit) zeigen.

An dieser Stelle möchten wir dem Leser/Pferdehalter vorweg  noch einmal ganz klar ins Bewusstsein rufen, dass nicht die Pferde gegen bestimmte Präparate resistent werden. Vielmehr werden bestimmte Wurmarten (oftmals stallspezifisch) resistent gegen bekannte Entwurmungswirkstoffe.

Angesichts fehlender Alternativen zu diesen Wirkstoffen und dem Umstand, dass in den nächsten Jahren nicht mit der Entwicklung neuer Wirkstoffgruppen für die Parasitenbekämpfung zu rechnen ist, besteht die Gefahr einer weiteren Zunahme der Resistenzen.
 
Aus diesem Grund wollen wir auf die Ursachen einer Anthelminthikaresistenz (AR) eingehen und versuchen dieses Phänomen zu erklären und praxisorientierte Lösungsansätze aufzeigen.

 

 

 

Wie entstehen Resistenzen?

Von einer Resistenz gegenüber einem Wirkstoff spricht man dann, wenn in einem Tierbestand die Anzahl der Parasiten eine bestimmte Grenze übersteigt und es bei der Behandlung mit einem entsprechendem Wirkstoff in der empfohlenen Dosierung, zu einer verminderten Wirksamkeit kommt. Weiterhin verkürzt sich der Zeitintervall  zwischen Behandlung und Wiederauftreten einer erneuten Wurminfektion.


Die Gründe für die Resistenzbildung(-en) sind gut gemeinte aber leider oft nicht hilfreiche oder auch teilweise gegensätzlich wirkende Strategien und Maßnahmen bei den derzeitig durchgeführten Pferde-Entwurmungen, wie:

•    regelmäßige Entwurmungen ohne spätere

     Erfolgskontrollen


•    oft zu häufige Entwurmungen ohne nachgewiesene

     Notwendigkeit (z.B. 4x im Jahr auch mit immer wechselnden

     Präparaten)


•    falsch (zu niedrig) dosierte Wurmkurgaben


•    fehlende Kenntnis über den Infektionsdruck im Bestand


•    fehlende Kenntnis über den Infektionsdruck des einzelnen 
Pferdes


•    fehlende Kontrolle der Wirksamkeit


 

Nicht nur der Pferdekörper, auch die äußere Umgebung (Stall/Weide) dient z.B. den langlebigen Eiern des Spulwurms als Lebensraum.


Welche Parasiten spielen eine Rolle im Bestand (Parasitenspektrum)


Eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Bekämpfung ist das Wissen über die Vielfalt der beim Pferd vorkommenden und bedeutenden Parasiten. Die einzelnen Arten unterscheiden sich in ihrer Biologie, Gefährlichkeit, Auftreten in den Betrieben und Empfindlichkeit gegenüber Wurmpasten erheblich.

Die großen Magen-Darmwürmer (große Strongyliden) scheinen aus den Pferdebeständen gegenwärtig verschwunden zu sein. Jedoch besteht bei einem rein selektiven Entwurmungsverfahren die Gefahr einer Reaktivierung der Parasiten. Der Nachhaltigkeit wegen empfiehlt sich eine Entwurmung im Mai/Juni und zum Ende der Weidesaison.


Die Zwergfadenwürmer der Fohlen (Strongyloides westeri), die mit der Stutenmilch aufgenommen werden und/oder sich durch die Haut der Fohlen bohren gelangen bereits nach drei Tagen in den Dünndarm der Fohlen - Mutterstuten werden häufig vor dem Abfohlen von den Besitzern aus Unsicherheit nicht entwurmt. Jedoch kann es wichtig für das Fohlen sein, dass die Mutterstuten am Tag des Abfohlens (im Rahmen der Fohlenuntersuchung und Impfung) gegen Zwergfadenwurmbefall entwurmt werden. Fohlen nehmen  die Larven über die Muttermilch auf und zeigen nicht selten einen extrem hohen Befall, der lebensbedrohlich werden kann.

Empfohlen wird auch die vorbeugende Entwurmung der Fohlen nicht vor Ende der zweiten Woche mit Benzimidazol-BZ in höherer Dosierung gegen die Zwergfadenwürmer. So kann im Falle einer Infektion mit der Wurmkur die Körperwanderung der Larven ausgeschaltet werden. Darüber hinaus stellen  Züchter einen positiven Einfluss auf die Kotkonsistenz und das Allgemeinbefinden der Fohlen fest.  - Bisher sind keine Resistenzen bekannt!


Auch Bandwürmer stellen, mit Ausnahme bei Fohlen, in allen Altersklassen eine Gefahr für die Gesundheit der Pferde dar und werden erst seit wenigen Jahren systematisch bekämpft. Nicht zuletzt deshalb, weil keine zugelassenen Wurmmittel für das Pferd verfügbar waren. Der Bandwurmbefall ist eine typische Weideinfektion. Die Pferde infizieren sich, indem sie die „Moosmilbe“ aufnehmen. Diese enthält eine infektionsfähige Larve des Bandwurms.

Der Nachweis erfolgt durch eine Kotuntersuchung, welche jedoch nicht immer den tatsächlichen Wurmstatus aufzeigt, da eine Vielzahl der Bandwurmeier eingekapselt das Darmlumen durchwandert und sich erst nach Ausscheiden des Pferdekots in der Umwelt verteilt. Durch die Verwendung von Praziquantel-PZQ (Kombinations-)Präparaten oder PYR (in erhöhter Dosierung) können Bandwürmer in der Mitte und am Ende der Weidesaison eliminiert werden. - Bisher sind keine Resistenzen bekannt!


Die Larven der Magendasseln sind aufgrund ihres zeitlich engen und saisonalen Auftretens leicht zu kontrollieren. Gegen die Larven der Magendasseln besitzen die Substanzen Ivermectin und Moxidectin eine sehr gute Wirkung. Spätestens drei Wochen nach dem Ende der Weidesaison und dem Aufstallen der Pferde muss gegen die Larven der Magendassel behandelt werden!

Bei einer Gastroskopie eines Pferdes wurden bereits am 8. November (siehe www.pferde-praxis-breitenburg.de Rubrik „Wissen“) Larven im Magen des Patienten festgestellt! - Also vergessen sie nicht die „Süßigkeiten für den Nikolaustag“ aber vergessen sie den 6. Dezember als Zeitpunkt zur Entwurmung gegen Magendasseln. - Bisher sind keine Resistenzen bekannt!

 

 

Die kleinen Strongyliden besitzen aufgrund ihres überall möglichen Auftretens (Wirt und Umwelt!) das größte Potenzial zur Gefährdung von Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsbereitschaft der Pferde. Genau diese Parasitengruppe weist die höchste Resistenzbereitschaft auf. Sie treten überall (Weide und im Stall) auf und sind schwer zu eliminieren. Darüber hinaus können sie im Wirt als eingegrabene sogenannte enzystierte Larven und in der Außenwelt überwintern.

Gegen die Larven in der Darmschleimhaut benutzt man MOX. Gegen die adulten (erwachsenen) Würmer nimmt man PYR-Präparate. - Resistenzen sind gegen alle Wirkstoffklassen weltweit zunehmend! - Benzimidazole-Wirkstoffe vollständig resistent (!), nicht anwenden.

Der Wirkstoff Pyrantel zeigt bisher noch die geringste Resistenz der adulten (reifen) Würmer. - ML-Wirkstoffklassen (IVM, MOX) zeigen noch teilweise gute Wirksamkeit gegen adulte Würmer bei zunehmender Resistenz der Wurmpopulationen weltweit!


MOX ist zusätzlich wirksam gegen Larven in der Darmschleimhaut. – Wobei eine zufriedenstellende Wirkung jedoch nur bei stoffwechselaktiven, d.h. im Schlupf befindlichen Larven vorhanden ist.  Vorwiegend während der Wintersaison fallen die Larven der Strongyliden in eine stoffwechselruhende Phase und zeigen währenddessen kaum Empfindlichkeit gegen Entwurmungspräparate.

Um zu verhindern, dass sich eine hohe Population heranwachsender kleiner Strongyliden in eine stoffwechselruhende Phase begeben kann, gehen die Empfehlungen dahin, dass im Frühjahr vor Weideauftrieb (Mai/Juni) und zum Ende der Weidezeit (Oktober/November) unabhängig des vorhandenen  Wurmstatus strategisch behandelt werden soll.

 

 

Der Pferdespulwurm ist der Problemparasit bei Fohlen und Jungpferden in den Zucht- und Aufzuchtbetriebe . Herkömmlicherweise werden Infektionen mit Spulwürmern bei Fohlen bis zu einem Alter von einem Jahr in 8 bis 12 Wochen-Intervallen mit dem Wirkstoff Benzimidazole (BZ) oder Pyrantel (PYR) behandelt. Auch Ivermectin-IVM und Moxidectin-MOX können mit sehr guter Wirkung verwendet werden. Dabei soll MOX erst ab einem Alter von mindestens 4 Monaten (Information des Herstellers) angewendet werden.  - Hier werden zunehmend Resistenzen gegen die Wirkstoffgruppe IVM und MOX festgestellt. PYR-Wirkstoffe sind bisher noch am Besten wirksam!

 

 

Die selektive Entwurmung wird in unseren Nachbarstaaten bereits erfolgreich praktiziert. Sie zielt in erster Linie auf die kleinen Strongyliden und Spulwürmer ab, von denen die meisten erwachsenen Pferde betroffen sind.

Mittels eines speziellen Analyseverfahrens, dem sogenannten McMaster-Verfahren, erfährt man, wie viele Eier pro Gramm Kot (EpG) das Pferd ausscheidet, und zwar für die Wurmarten kleine Strongyliden und Spulwürmer.

 

 

Weiter wird festgestellt, welche der anderen Wurmarten darüber hinaus vorhanden sind.

Die Anzahl der ausgeschiedenen Wurmeier gibt jedoch nicht immer einen 100%igen Aufschluss über eine tatsächlich vorhandene positive Wurminfektion.  Hier spielt auch der Zeitpunkt der Erfassung des Wurmstatus eine große Rolle. Im Winter entnommene Proben zeigen häufig eine geringere Zahl ausgeschiedener Eier auf.

Zur Bestandsaufnahme wird daher der Wurmstatus der Pferde nach Möglichkeit im Frühjahr erfasst. Im ersten Jahr folgen je nach Infektionsdruck der einzelnen Pferde bis zu vier weitere Untersuchungen, um die Wirksamkeit der gezielt eingesetzten Wirkstoffe zu erkennen. Im Folgejahr sind dann nur noch zwei Untersuchungen je Pferd nötig. Neuzugänge im Bestand sollen sich ebenfalls vor Eingliederung in die Gruppe einer Wurmprobe unterziehen. Entsprechend dem Kotproben-Ergebnis gibt es 2 große Entscheidungsmöglichkeiten: - Pferde mit einer Eiausscheidung von unter 200 EpG (Eiern pro Gramm Kot) werden nicht entwurmt -  Pferde über 200 EpG werden AUF JEDEN FALL entwurmt.


Unterstützende Hygienemaßnahmen im Stall wie auf der Weide gilt allergrößte Bedeutung!

Das Ziel muss sein, die Kontamination mit Infektionsstadien der Würmer so gering wie möglich zu halten um die Notwendigkeit einer häufigeren Behandlung einzuschränken. - Im Stall gehören dazu das wiederholte Reinigen und Desinfizieren sowie das tägliche Ausmisten der Boxen um vorrangig den Spulwurm zu eliminieren

Auf der Weide zählt neben einer adäquaten Besatzdichte, das Absammeln der Pferdeäppel, das Mähen von Geilstellen, die Mischbeweidung bzw. das Nachweidung durch Rinder oder Schafe , eine alternative Weidenutzung (Heu etc.), die Gabe von Kalkstickstoff und die Nutzung als Umtriebsweide zu den möglichen Hygienemaßnahmen.


Fazit zur Neuorientierung der Parasitenbekämpfung beim Pferd

Das bisher vorherrschende Konzept der strategisch undifferenzierten vorbeugenden Bestandsbehandlung ist mittlerweile ungeeignet. Im Besonderen gilt dies für die Gefahr einer beginnenden oder für einzelne Wirkstoffe teilweise schon bestehenden AR (Anthelminthika-Resistenz).

Die Produktpalette der Wurmpasten ist durch das Aufkommen zahlreicher Generikaprodukte verschiedener Firmen vielfältiger und für den Laien unübersichtlicher geworden.

Es sind aber nur 4 Wirkstoffgruppen, die in diesen Präparaten enthalten
: Praziquantel (PRQ) - Pyrantel (PYR) - Benzimidazole (BZ)  - makrozyklische Laktone (ML) wie Ivermectin (IVM) und Moxidectin (MOX).


Wissenschaftler und Tierärzte diskutieren weltweit kritisch über die bisherigen Empfehlungen der strategischen Parasitenbekämpfung und sind sich weitgehend einig darüber, dass eine Neuorientierung, die wegführt von der überlieferten standardisierten Methode dringend notwendig ist.

So sind entsprechend der genannten  Empfehlungen durchgeführte Kotprobenuntersuchung von Einzel- oder in Gruppen gehaltenen Tieren (Sammelprobe) vor der Wurmkur und eine Überprüfung der Wirksamkeit nach verabreichter Wurmkur sinnvoller, als das allerorts übliche blinde und wenig ergebnisorientierte Verabreichen von Wurmpasten.  

Das Erfassen des Wurmbefalls ist am besten von speziell hierfür ausgestatten Laboreinrichtungen durchzuführen. (Institute für Parasitologie: Vet-Uni Gießen, Telefon 0641 / 993846  -  TIHO Hannover, Telefon 0511/ 9538793  -   VMF Uni Leipzig, Tel: 0341 / 9738080  -   Freie Universität Berlin, Telefon 030 / 83862310  -  Eine kostenlose Beratung erhalten Tierärzte und Privatpersonen im Lehrstuhl für Parasitologie der LMU München 089 / 21803622.


Quelle:
www.pferde-praxis-breitenburg.de
Dr. Jürgen Bartz
LMU München -Lehrstuhl für Vergleichende
Tropenmedizin und Parasitologie,
www.tropa.vetmed.uni-muenchen.de