Der Pferde-Zirkel
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Trailtraining ... Vertrauen & Motivation auf den Weg gebracht

 

 

Mountainfeeling, Rinderherden in unendlichen Weiten und dazu Reiter auf ausdauerstarken, schnellen und wendigen Pferden, die mit scheinbarer Leichtigkeit, trittsicher durch unwegsames Gelände galoppieren und deren Zusammenspiel (Reiter/Pferd) im Einklang erscheint. 

 

Was kommt Euch in den Sinn, wenn Ihr diese Bilder vor Eurem inneren Auge seht? ... Das sind Träume für eingeschworene Westernreiter  ...  oder ... Westernromatik jenseits der Realität ... oder ...  Das hat nichts mit mir oder meinem Pferd zu tun ...

 

Doch,  das hat ganz viel mit unseren Wünschen in Bezug auf freizeitorientierte aber auch professionell sportliche Ambitionen zu tun.  Unabhängig der Reitweise, die wir bevorzugen und unabhängig der Ziele, die wir uns stecken, finden sich genau diese  „Bilder“ in unseren Vorstellungen wieder. - Wir wollen alle mit unseren Pferden im Einklang unterwegs sein. Wir wollen, dass unsere Pferde Vertrauen in uns setzen, Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben, motiviert und aufmerksam mit uns gemeinsam Herausforderungen annehmen.  Wir wollen, dass unsere Pferde keine reinen Befehlsempfänger sind, sie dürfen und sollen „mitdenken“, sie sollen koordiniert, trittsicher und gelassen mit uns unterwegs sein.  

 

 

 

 

Doch wie bringt man all diese Attribute mit einem Fluchttier in Verbindung? - Im ersten Moment fällt es schwer unsere Ansprüche und die genetische Veranlagung von Pferden in Balance zu bringen. Denn Pferde sind von Natur aus Flucht- sowie Herdentiere und - wie wir Menschen auch - sind sie ganz individuelle Persönlicheiten. Da gibt es die, die sich in der Hierarchie hinten anstellen und sich gerne leiten lassen und es gibt Persönlichkeiten, die gerne die Richtung weisen und vorangehen und es gibt die, die gerne leiten aber sich hinten anstellen müssen. Diese individuelle Veranlagung stellt uns, als Bezugsperson vor große Aufgaben. Das Schlüsselwort ist „Vertrauen“.  Das Pferd soll lernen sein Vertrauen in uns, seiner naturgegebenen Intuition (Flucht/Herde) voranzustellen und dabei unsere Vorstellungen für sich anzunehmen, z.B. als Sportpartner unter dem Sattel oder vor der Kutsche, als Arbeits-partner im Wald oder auf dem Feld, als Freizeitpartner im Gelände oder als Therapeut in der Hippotherapie, u.v.m.  Letztendlich soll es auch Selbstvertrauen und Verlässlichkeit in seinem Lebensraum erfahren.

 

Trailtraining bietet - richtig umgesetzt - die beste Voraussetzung für ein in alle Richtungen und Reitweisen ausbaufähiges Trainingsfundament. Doch wie funktioniert Trailtraining? - Welches Equipment brauche ich? - Wo finde ich gute Ausbilder?

 

Trailtraining gilt als Oberbegriff für verschiedene sich im Detail unterscheidende Herangehensweisen.  Agility Training, Working Equitation, Extreme Trail Training oder Gelassenheitstraining sind nur einige Angebote, die zum Teil auch in klassifizierten Wettbewerben ihren Höhepunkt finden. Allen gemeinsam ist das Ziel einen Parcour mit dem Pferd vom Boden aus oder unter dem Sattel zu erarbeiten und dabei Aufgaben zu meistern. Parcour bedeutet hierbei nicht, wie im klassischen Sinne das Überwinden/Überspringen von Hindernissen, sondern das Erfahren und Bewältigen von Aufgaben (Trail). Sensorik, Aufmerksamkeit, Geschicklichkeit, Koordination und das unmittelbare Zusammenspiel von Mensch & Pferd sind hierbei gefordert und werden gefördert.

 


 

Horse Agility ...  Agility kennt man aus dem Hundesport. Die Tiere bewältigen

 

einen festgelegten Parcours und der Mensch gibt vom Boden aus die entsprechenden Kommandos dazu. 

 

Agility bedeutet Wendigkeit, Flinkheit oder Agilität.  Es soll ein aus mehreren Hindernissen bestehender Parcours in einer festgelegten Reihenfolge überwunden werden. Das ganze möglichst flink. Hierbei werden konditionierte Signale genutzt, denn das Tier soll im Idealfall frei ohne Strick die Hindernisse alleine überwinden. 

 

Ein Parcour besteht aus unterschiedlichen Hindernissen, die in einem eingezäunten Areal angeordnet werden. Hindernisse können sein:  Slalom/Pylonen, Wippe,  Torbogen,  Sprünge, Engpässe und Tunnel. Unterschiedliches Bodenmaterial (Sand, Matten, Hackschnitzel, etc.) ergänzen den Trainingsplatz.

 

Ursprünglich war das Hundeagility inspiriert aus dem Pferdespringsport und wurde 1977 als Pausenfüller erstmals bei einem Reitturnier vorgestellt. Daraus entwickelte sich ein Wettkampfsport für Hunde. Neben Sprüngen wurden auch Hindernisse wie Tunnel, Kletterwand, Slalom usw. integriert. Horse Agility ist ähnlich - nur mit Pferden. Die Hindernisse beim Horse Agility sind dementsprechend größer dimensioniert. Mittlerweile gibt es auch kombinierte Trainingsangebote wie auch Wettbewerbe: Dog & Horse Agility

 

Der Spaßfaktor ist im Training wie auch im Wettbewerb nicht zu unterschätzen ;).

 

 


Extrem Trail Training ...  Die Trainingsidee ist, dem Pferd die Möglichkeit und die Freiheit zu geben, durch eigenes Erfahren und eigene Intuition am Training mitzuarbeiten. Mit dem Ziel, einen Trail (Parcour) ruhig und gelassen, bei gleichmäßiger Geschwindigkeit mittig zu überwinden. In der Erarbeitung der Hindernisse ist die Bodenarbeit das essentielle Trainingselement. Hierbei werden die Pferde „von außen“ am langen Führseil in das jeweilige Hindernis hineingeschickt. Indem sie es  „alleine durchschreiten“ werden Ihre natürlichen Sinnesleistungen und Reflexe als Lauf-und Fluchttier seitens des Menschen nicht unnötig gestört. Eigenverantwortlich die jeweiligen Aufgaben anzugehen, schult sowohl Aufmerksamkeit, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Koordination. - Das Ziel der intensiven Bodenarbeit im Extreme Trail ist auch das Konditionieren und unmittelbare Abrufen von gewünschtem Verhalten (stehen, antreten, rückwärtsrichten, weichen, seitwärts schreiten ...) ohne, dass das Pferd zum reinen Befehlsempfänger degradiert wird.

 

Wenn vom Boden aus alle Einheiten souverän umgesetzt werden, kann das gerittene Training beginnen. Auch hier sollte auf das Ziel, den Trail mittels minimaler Hilfen zu durchreiten, hingearbeitet werden: Die Einwirkungen des Reiters auf sein Pferd sollten sich auf Gewichts- und Schenkelhilfen (je geringer desto besser) beschränken. Im Bereich der Zügelhilfen bestimmen lange Zügel das Idealbild. Unabhängige Zügelführung gibt dem Pferd die nötige Kopffreiheit, fördert die Balance und ermöglicht dem Pferd, sich seinen Weg durch und über ein Hindernis zu suchen.

 

Extreme Trail bedeutet nicht gleich extrem anspruchsvoller Parcour, sondern ist gleichzusetzen mit „aussergewöhnlicher Parcour“. Die Trailelemente finden sich am ehesten in natürlicher Umgebung. Unterschiedliches Geläuf, Wasserfurten oder Bachläufe, Brücken aus naturnahen Materialien, Kletterhindernisse, Hänge/Hügel zum bergauf und bergab gehen, unterschiedliche Licht- und Schattenverhältnisse durch Bäume und Wind ...  Das sind nur einige Herausforderungen, mit denen wir uns beim Extreme Trail beschäftigen.

 


                     

 

 

Gelassenheitstraining dient - nomen est omen - zur Minimierung von Stressempfinden des Pferdes und zum Aufbau von Vertrauen.  Es geht hier weniger um Geschicklichkeit als um das Wecken von Aufmerksamkeit und Annehmen von Situation, die im ersten Moment eher zur Flucht animieren.

 

Gerade bei einem Ausritt möchten wir gemeinsam mit den Pferden die „Seele baumeln“ lassen. Gespenster und kleine Kobolde, die nur für das Pferd sichtbar aber dadurch ungemein gefährlich für das Pferd/Reiter-Paar werden können, gilt es zu verbannen. - Vertrauen ist aber nicht nur von Seiten des Pferdes zu seiner Bezugsperson  wichtig, auch der Mensch soll lernen, seinem Pferd zu vertrauen.

 

Das Training kann in einem eingezäunten Areal, dem Reitplatz oder der Reithalle erfolgen.  - Flatterband, Rappelsack, Planen, Regenschirme sind nur einige Gegenstände für die Gestaltung, die man in einen bunten Gelassenheitstrail einbringen kann. Stressverhalten sollte aber auch durch Alltagssituationen gezielt provoziert werden, z.B. beim Passieren eines Traktors, durch über den

Weg rollende Bälle oder durch Überraschungsgegenstände und -geräusche hinter einem Busch oder einer Hecke. - Auch das Passieren von Kutschen oder das Geräusch von Sprühflaschen (z.B.  Insektenschutzmittel) ist für viele Pferde eine Herausforderung, die sie nicht einschätzen können. Dies sind nur einige Beispiele, die dazu anregen auf spielerische Art an der Gelassenheit von Mensch und Pferd zu arbeiten.  

 

 

 

Working Equitation ist eine Wettbewerbs-Diziplin der Arbeitsreitweise im Sattel. Im Trailparcours werden von Pferd & Reiter konkrete Aufgaben/Hindernisse absolviert. Dazu gehören unter anderem das Öffnen und Schließen eines Tores, Rückwärtsrichten zwischen Stangen, Slalom, Überqueren einer Brücke, Seitwärts über eine Stange. Freizeitorientierte Trainingsangebote finden in den letzten Jahren immer mehr Zuspruch.

 

 

Während im Stiltrail in vorgeschriebener Gangart nach den Grundlagen der Dressur gerichtet wird, zählt beim Speedtrail das Tempo, in dem die Hindernisse fehlerfrei durchritten werden. Dabei gilt es, eine exakte und konzentrierte Linienführung bei angepasstem und punktgenauem Rhythmus zu erzielen.  

 

Trailhindernisse sind u.a. der „Slalom“, in verschiedenen Varianten, Abständen und Schwierigkeitsgraden.  Weiterhin gilt es „Tonnen“ in Volten zu umrunden. Je nach Anforderung wird in verschiedenen Abständen und Gangarten sowie Linienführungen geritten (Seitengänge, Galoppwechsel, etc.).  - Im  „Pferch“ wird Vertrauen und Gehorsam innerhalb enger Begrenzungen abgefragt. Auch hier bestimmen Gangart und Tempo den Schwierigkeitsgrad. - Das  Öffnen und Schließen des „Tores“ fragt punktgenaue Geschicklichkeit und Konzentration ab.

 

Im Fokus aller Hindernisses liegt es, die Durchlässigkeit und das Zusammenspiel von Pferd und Reiter bei steigenden Anforderungen abzufragen.  Verbissenes Training wirkt hier eher kontraproduktiv - Spaß und Freude sind vordergründig.

 

 

Mit Freude und Spaß den Horizont für Pferd & Reiter zu erweitern, ist und bleibt das Ziel aller Trailtrainings-Angebote. 

 

Wer nun denkt, Trailtraining kommt nur für bestimmte prädistinierte Pferderassen in Frage, dem sei gesagt: Nein, jede Pferderasse ist geeignet - egal ob trainiertes Sportpferd oder freizeitgerittenes Pony.  Für alle Reiter und ihre Pferde, die Freude daran entwickeln, einen Trailparcour zu absolvieren, ihre Geschicklichkeit zu verbessern und gegenseitiges Vertrauen auf ein gutes Fundament zu setzen, dem bietet Trail-Training den Einstieg in eine Faszination, die Euch so schnell nicht mehr los lassen wird.

 

 

Fotos:  Extreme Trail Wingst, Heidehorsetrail Gut Allerwiesen, www.lucky-horse-shop.de, www.perfectshot.at, www.reitstall-postgaessli.jimdofree.com, www.fotolia.de (reisegraf)